Mit Federn, Fell und Fühlern · Ökologisch leben - Tipps & Tricks

Tigerschnegel – Hübscher Nützling im Garten

Ich freue mich jedesmal, wenn ich eine dieser hellgrauen Nacktschnecken in meinem Garten entdecke. Ja, Nacktschnecke!

Nacktschnecken sind im heimischen Garten ja meist nicht besonders beliebt – sie sind schleimig, vermehrungsfreudig und äußerst gefräßig. Und dabei haben sie es ausgerechnet auf unsere Gemüsebeete, Jungpflanzen und Blumen abgesehen. In kürzester Zeit können die braunen Fieslinge ganze Salatbeete kahl fressen und unsere schönen Funkien (Hosta) komplett durchlöchern. Logisch, dass die meisten Menschen auf Nacktschnecken im allgemeinen nicht besonders gut zu sprechen sind und derlei Hausgenossen möglichst schnell und gründlich wieder loswerden wollen. Aber:

Nicht alle Nacktschnecken stehen auf Gemüse!

Es gibt nämlich unter den Nacktschnecken auch durchaus unschädliche und sogar nützliche Vertreter – wie den Tigerschnegel! Leider wissen das nur die wenigsten und verbannen rigoros alles, was der gemeinen Nacktschnecke auch nur im Entferntesten ähnlich sieht.

Dabei lohnt es sich durchaus, mal etwas genauer hinzuschauen: Im Unterschied zu seinen meist rot-braunen Artgenossen ist der Tigerschnegel im Allgemeinen grau bis hellbraun gefärbt und weißt eine auffällige Fleckenzeichnung auf, die den Streifen eines Tigers ähnelt – daher auch der Name Tigerschnegel. Es soll sogar fast weiße Albino-Varianten ganz ohne Streifen geben, die sind mir persönlich bislang aber noch nicht begegnet.

Hier eine eher hellbraune Variante mit gut erkennbarer Fleckenzeichnung (Foto: Wikipedia https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Tigerschnegel fressen ihre braunen Artgenossen

Tigerschnegel können zwischen 10 und 20 cm groß werden und ernähren sich bevorzugt von Pilzen, Pflanzenresten und Aas und fungieren auf diese Weise als „Aufräumen-Polizei“ im Garten. Im Unterschied zu ihren braunen Verwandten gehen sie nur eher selten an frische Pflanzenteile und richten daher kaum Schaden in unseren Beeten an.

Was aber noch viel besser ist: Tigerschnegel fressen ihre braunen Artgenossen samt deren Gelege. Sie sind also die beste, natürliche Waffe im Einsatz gegen die unliebsamen gemeinen Nacktschnecken. Und deutlich hübscher sind sie allemal.

Auf Flusskieseln wie hier ist der Tigerschnegel trotz seiner markanten Zeichnung gut getarnt. (Foto: Anke Merau)

Und genau deshalb freue ich mich jedesmal, wenn ich einen dieser nützlichen (wenn auch zugegeben sehr klebrigen) grauen Minitiger in meinem Garten sehe! Sie leben übrigens strickt nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in dunklen Ecken und auch gerne mal in Garage oder Keller. Das ist auch der Grund, warum man sie relativ selten zu Gesicht bekommt, auch wenn sie in Deutschland keineswegs selten sind. Ich entdecke sie oft in meiner Biotonne, wenn ich am Tag zuvor Gartenabfälle darin entsorgt habe. Dann kleben die kleinen Räuber auf der Suche nach dem Ausgang oft oben am Deckel, wo ich sie behutsam (mit Handschuhen, ohne Werkzeug!) wieder absammle und in meinen Beeten freilasse. Und es funktioniert tatsächlich: Seit ich Tigerschnegel in meinem Garten habe, ist die Zahl der braunen Nacktschnecken deutlich zurückgegangen!