Im letzten Jahr hat die Gemeinde Ehningen an einem Wettbewerb des NABU zur „Förderung der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum“ teilgenommen. Mit dem Projekt „Natur nah dran“ sollen öffentliche Grünflächen so gestaltet werden, dass sie Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten. Dazu wurden 50 Kommunen ausgelost, die bei der Umgestaltung von Grünflächen von den NABU-Experten unterstützt werden – sowohl finanziell, als auch mit Rat und Tat.
Auch Ehningen hat sich für das Projekt beworben – und dank der tollen Arbeit unseres Gemeindegärtners den Zuschlag für die Förderung erhalten! Und so wurden im letzten Jahr mit Schaufel und Schotter zahlreiche Flächen in der Gemeinde umgestaltet. Dazu war allerdings zunächst ein Bodenaustausch nötig, denn Wildblumen bevorzugen karge und nährstoffarme Böden. Das ist auch der Grund, warum die Grüninseln entlang der Bühlallee momentan etwas „trist“ und wie kahle Schotterwüsten aussehen. Doch keine Bange: Das bleibt nicht so!
Ich gestehe, ich gehöre zu der eher ungeduldigen Sorte von Menschen und kann es seit dem Besuch der NABU-Gärtner im letzten Jahr kaum noch abwarten, bis hier endlich alles bunt blüht und summt. Deshalb habe ich mich heute auch so über die ersten kleinen Schlüsselblumen gefreut, die ich in den Schotterflächen entdeckt habe:
Noch ganz klein und unscheinbar und auf der großen Fläche kaum zu sehen – aber als tapferer kleiner Frühblüher hat sie als erstes den Kopf aus dem Kies gestreckt.
Für mich bedeuten Schlüsselblumen auch ein Stück Kindheitserinnerung, denn auf den Wiesen und Waldrändern hinter meinem Elternhaus wuchsen damals unzählige Schlüsselblumen. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass sie wirklich wie ein winziger Schlüsselbund klingeln, wenn ihre Blüten im Wind wippen.
Flower Fakts:
Schlüsselblumen gehören zur Gattung der Primeln
Die Stiftung Naturschutz Hamburg kührte sie zur „Blume des Jahres 2016“
Sie ist vor allem bei Hummeln und Faltern beliebt und dient auch mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze
Extrakte der Schlüsselblume werden zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt, weil der Wirkstoff der Schlüsselblume das Abhusten erleichtern soll.
Die Schlüsselblume gilt regional als gefährdete Pflanzenart und ist durch die deutsche Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt – also bitte nicht pflücken!
Vor Kurzem stand ich morgens an meinem Küchenfenster, draußen wurde es langsam hell, als plötzlich ein rotbraunes, hundeähnliches Tier mit langem buschigem Schwanz an meinem Haus vorbei durch die Straße rannte. Ein Fuchs! Mitten im Bühl! Was hat der denn hier zu suchen?
Nunja, er war vermutlich auf der Suche nach Futter. Füchse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn jedoch in den Morgenstunden zunehmend die Menschen ihre Häuser verlassen und sich auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule machen, dann wird es dem Fuchs schnell zu ungemütlich bei uns und er verzieht sich zurück in den Wald.
Ein Fuchs im Wohngebiet, kommt das öfter vor?
Um ehrlich zu sein, ich wohne jetzt seit fünf Jahren hier, und es war der erste Fuchs denn ich gesehen habe. Gerade im Januar und Februar ist die Chance jedoch größer, auch tagsüber mal einen Fuchs zu Gesicht zu bekommen. Dann nämlich beginnt die sogenannte „Ranzzeit“ bei den Füchsen und die Tiere begeben sich auf Partnersuche.
Im übrigen ist der Fuchs ein sogenannter „Kulturfolger“, d.h. er profitiert vom Zusammenleben mit dem Menschen. In den Städten findet er leichter Nahrung wie Ratten, Mäuse, Tauben, oder auch Abfälle des Menschen. Außerdem sind die Temperaturen in der Stadt meist angenehmer für den wärmeliebenden Fuchs. Zum Teil sind die Lebensbedingungen für Füchse in Städten oft sogar besser als im Wald oder in landwirtschaftlichen Regionen.
Können Füchse für den Menschen gefährlich werden?
Füchse sind nicht aggressiv und im Gegenteil sogar sehr scheu. Sie versuchen Begegnungen mit Menschen nach Möglichkeit zu vermeiden. Wenn sich Fuchs und Mensch doch einmal über den Weg laufen sollten, wird der Fuchs in aller Regel die Flucht ergreifen. Für den Menschen besteht also keine Gefahr – egal ob große oder kleine Menschen. 🙂
Auch die Gefahr sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren gilt als gering. Einfaches Händewaschen etwa nach einem Spaziergang oder der Gartenarbeit ist zum Schutz vollkommen ausreichend. Auch für ein erhöhtes Infektionsrisiko durch das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen aus dem Wald gibt es bislang keinen Beweis – auch wenn deswegen lange Zeit vor dem Verzehr von z.B. Walderdbeeren gewarnt wurde. Es empfiehlt sich jedoch, selbst gesammelte Früchte vor dem Verzehr auf jeden Fall gründlich zu waschen.
Ein etwas höheres Risiko einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm besteht ggf. für Hunde und Katzen, da diese häufiger mit z.B. befallenen Pflanzen und infizierten Nagetieren wie Mäusen – sogenannten Zwischenwirten – in Kontakt kommen. Deshalb ist bei unseren vierbeinigen Lieblingen eine regelmäßige Entwurmungskur durchaus angebracht.
Vor der Tollwut muss man erst recht keine Angst haben: Deutschland gilt bereits seit 2008 offiziell als tollwutfrei!
Foto: pixabay.com
Der Fuchs in der Ehninger Krebsbachaue
Ein Problem gibt es mit dem Fuchs dann aber leider doch: Die Krebsbachaue – ein viereinhalb Hektar großes Naturschutzgebiet zwischen Ehningen und Gärtringen – ist eines der wenigen Refugien für die vom Aussterben stark bedrohten Kiebitze. Diese Vogelart gehört zu den Bodenbrütern und baut ihre Nester in Ackerfurchen. Mit der Hilfe von engagierten Tierschützern konnte der Kiebitz auch in der Krebsbachaue wieder angesiedelt werden. Doch leider wurde im letzten Jahr ein paar mal ein Fuchs dort gesichtet, der einige der Eier stibitzt und wohl auch das eine oder andere Alttier erwischt hat. In der Folge sind im letzten Jahr deutlich weniger Jungtiere geschlüpft.
Das Gelände ist eigentlich durch einen Elektrozaun gesichert, dennoch ist es dem schlauen Fuchs (der seinen Namen ja nicht umsonst trägt) wohl gelungen, irgendwo einen Durchschlupf zu finden. In der kommenden Saison sollen die Kontrollen rund um die Krebsbachaue deshalb nochmal verstärkt werden.
Sind Füchse eigentlich bedroht?
Das zum Glück nicht. Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit ist der Bestand der Rotfüchse seit Jahren konstant. Leider ist es in Deutschland bisher immer noch erlaubt, den Fuchs zu bejagen – angeblich um seine Population in Schach zu halten oder bedrohte Tierarten wie den Feldhasen oder den bereits erwähnten Kiebitz zu schützen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass der invasive Eingriff durch die Jagd weder sinnvoll noch notwendig ist, denn Füchse gleichen größere Verluste durch Jagd, Krankheiten oder witterungsbedingte Ausfälle instinktiv mit einer höheren Geburtenrate wieder aus.
Weder ist der Fuchs selbst bedroht, noch stellt er eine artgefährdende Bedrohung für andere Tiere dar. Und von einer Überpopulation oder gar einer Plage kann erst recht nicht die Rede sein. Probleme wie die in der Krebsbauchaue sind Einzelfälle, die man nur individuell lösen kann – nicht indem man einer ganzen Art mit dem Gewehr zu Leibe rückt.
Ich jedenfalls habe mich über den buschigen kleinen Besucher vor meinem Fenster sehr gefreut und hoffe, dass es nicht die letzte Begegnung dieser Art war.
Anmerkung: Da man das Thema Jagd durchaus kontrovers betrachten kann, haben wir noch einen weiteren Beitrag veröffentlicht, der die Problematik von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet: Fuchs mal anders.