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Gertrud Fortsetzung

Wie traurig war ich, als ich ein paar Tage später am Waldweiher vorbeikam und das Nest verlassen sah. Zwei Eier waren noch zu sehen, aber weit und breit keine Spur von Gertrud.

Natürlich können die Eier auch mal eine Weile unbebrütet bleiben, wenn sie schon weit genug sind, aber irgendwann kühlen sie natürlich doch aus.

Am folgenden Tag das gleiche Bild: einsame Eier im Nest, keine Gans in  Sicht. Anscheinend hatte Gertrud das Gelege aufgegeben. Gründe dafür gibt es immer wieder, am häufigsten fühlen sich die Vögel von Menschen oder Hunden, die auch mal ins Wasser gehen, gestört. Konkurrenten und natürliche Feinde wie Füchse und große Greifvögel konnte ich mir an diesem Ort wirklich nicht vorstellen.

Schade, dachte ich mir, das Leben draußen ist zu hart für niedliche Blogeinträge.

Einen weiteren Tag später überraschte mich nicht weit vom Waldweiher beim Joggen ein Familienausflug der besonderen Art: sechs Graugänse kamen mir auf dem Weg entgegen gewatschelt; ein Elternteil vorn, vier gelbgraue Küken in der Mitte und ein Elternteil hinterher. Ganz entspannt wackelten sie an mir vorbei in Richtung Dagersheim. Ein schöner Trost für Gertruds Verschwinden- irgendwo hier in der Nähe war zumindest eine Brut erfolgreich gewesen!

Am Nachmittag desselben Tages unterhielt ich mich über den Gartenzaun mit meiner Nachbarin, die auch sehr gern und oft im Wald unterwegs ist. Ich erzählte ihr von Gertrud und der Gänsefamilie. Meine Nachbarin hatte die Familie auch gesehen, allerdings auf der Waldweiher-Insel, am Nest! Meine Lieblings-Schlussfolgerung aus all den Beobachtungen ist diese:

Gertrud saß nicht auf zwei, sondern auf sechs Eiern. Zwei davon kamen nicht zum Schlupf, die anderen vier aber sind tatsächlich ausgebrütet und zu den Gösseln geworden, die wir später gesehen haben.

Keine Ahnung, ob das die wahre Geschichte ist, aber ich lass sie jetzt einfach mal so stehen, bis jemand das Gegenteil beweist. 

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Gertrud

In dem kleinen Waldstück am östlichen Ortsrand gibt es ein Regenrückhaltebecken. Klingt unromantisch, liegt auch zwischen Autobahnlärm und Bahntrasse, ist aber zu einem hübschen kleinen Teich verwachsen, mit schilfgesäumten Ufern und einem kleinen Inselchen in seiner Mitte. 

Dort habe ich schon vor einer Weile neben einem umherpaddelnden Entenpaar eine Graugans beobachtet. Graugänse kommen hier das ganze Jahr über an Wasserflächen vor. Größere Gruppen sieht man oft am Böblinger See und bei Rohrau im Naturschutzgebiet. Diese hier sitzt seit einigen Tagen nun geduldig auf der Insel im Teich und bewegt sich kaum. Heute habe ich sie mir genauer angesehen. Vom Weg aus, mit dem Fernglas, ist sie gut zwischen den Schilfhalmen zu beobachten, ohne dass es sie zu stören scheint. Sie ist wirklich eine Schönheit, und irgendwie kommt mir der Name Gertrud in den Sinn.  

Ein richtiges Nest ist kaum zu sehen, aber hin wieder stopft sie einen Halm oder eine Daunenfeder unter sich. Ich glaube, Getrud brütet etwas aus. 

Was mich wundert ist, dass Gertrud immer allein hier ist, wo doch Graugänse immer gern im Trupp, zumindest aber zu zweit unterwegs sind. Ob ihrem Liebsten etwas zugestoßen ist? Oder wurde sie aus einer Gruppe weggemobbt? Wie dem auch sei, Gertrud ist allein mit ihrer Brut beschäftigt, und ich frage mich, ob sie nur übt, oder tatsächlich bald alleinerziehende Mutter wird. Zumindest hat sie ein gutes Plätzchen gefunden, denn die Insel bietet Schutz vor einigen Feinden. 


Graugans (Anser Anser) 

Graugänse brüten von März bis Juni, legen 4-8 schmutzig-weiße Eier, die sie vier Wochen lang bebrüten. Ich hoffe Gertrud schafft das alleine und findet genügend Futter am Waldweiher. Sie braucht Gräser und Sämereien und darf die Eier nicht lang allein lassen. 

Ich werde sie wieder besuchen, um zu sehen, was aus ihr und ihrem Brutversuch wird.  

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Lebendige Gärten – mit Stauden gestaltet

Vortrag von Dieter Gaißmayer am 13.03.2019 in der Begegnungsstätte Ehningen 

Die Bürgerbeteiligungsgruppe „Aufenthaltsqualität und Grünflächen“ von Ehningen hat zwar einen sperrigen Namen, aber ein Händchen für gute Veranstaltungen. Im Sommer findet das coole „Picknick im Park“ statt und zusammen mit den Gartenfreunden Ehningen und dem Gemeindegarten hatten sie letztes Jahr den bekannten Wildblumenvermehrer Ernst Rieger auf dem Plateau – ein Publikumserfolg. 

Auch diesmal ist das Konzept dieser Allianz voll aufgegangen. Die lustigen Männchen der Veranstaltungsplakate haben Wiedererkennungswert und so war auch am Mittwochabend die Begegnungsstätte wieder voll besetzt, um dem Vortrag des Staudengärtners Dieter Gaißmayer aus Illertissen zu lauschen. Im Publikum sowohl Profi-Gärtner und Kenner aber auch Unwissende wie mich, die ich schon Mühe habe, zu erklären, was denn eine Staude überhaupt ist.  

Erleichterung, als Gaby Heydkamp von der Bürgerbeteiligung bei der Eröffnungsrede die Frage des Abends, die wohl viele beschäftigte, an den Redner zur Erklärung weiterreichte:

Was sind denn eigentlich Stauden? 

„Mehrjährigen krautige Gewächse“, erklärte Dieter Gaißmayer, und er ist die Koryphäe auf diesem Gebiet. In seiner Staudengärtnerei in Illertissen vermehrt und pflegt er sie nach Bioland-Richtlinien und war den weiten Weg nach Ehningen gekommen, um auch uns restlos davon zu überzeugen, dass die Zukunft einer humanen Gesellschaft im Garten liegt. Er hat es wohl geschafft. Die Kombination aus fundierter Fachkenntnis und menschlicher Originalität, seine Leidenschaft und sein Humor reißen einen einfach mit.  

Untermalt von starken Bildern stellte er uns den Garten als Gesamtkonzept einer kunstvollen Zusammenstellung verschiedener Pflanzenklassen vor, ein lebendiges Symbol für Entwicklung und Wachstum, Ästhetik und Artenschutz. Der Garten Eden, quasi. 

Steinwüsten statt blühende Gärten

Dass die aktuelle Realität in deutschen Gärten ganz anders aussieht, zeigten belustigende bis schockierende Bilder unbelebter Ortsgestaltung. Ein „Worst of Grünflächen“, die den Namen schon nicht mehr verdienen, belegt diesen dramatischen Trend zu Stein, Asphalt und Gabionen. Nicht nur einzelne Vorgärten und Grünflächen, ein ganzes Ortsbild wird so deprimierend und abweisend, wie Gaißmayers Bilder zeigten. Da tun die positiven Gegenbeispiele von blumenreichen Grünstreifen, blühenden Rankpflanzen über grauem Beton und prachtvoll arrangierten Vorgärten richtig gut. Solche, so Gaißmayer, verdienten nicht nur Respekt vor der gärtnerischen Leistung der Eigentümer, sondern besondere Anerkennung als soziales Engagement, Schönes zu erschaffen und mit der Gemeinschaft zu teilen. 

Die Gründe für den Rückgang kunstvoller (Vor-)Gärten zugunsten von Schotter- und Steinflächen mit sterilem Rollrasenstreifen oder vereinzelten Gehölzkrüppeln sieht Gaißmayer zum einen im Unwissen über die Möglichkeiten der Gestaltung und zum anderen in der Furcht vor aufwändiger Gartenarbeit.  

Nur Mut: Gärtnern tut gut

Hier weiß er geschickt vom Gegenteil zu überzeugen und tröstet diejenigen, die es vielleicht doch versucht haben und frustriert gescheitert sind: keine Angst, „gärtnern“ sei keine Arbeit, eher so etwas, das das Fitnessstudio ersetze. Und emotional könne man sich dabei richtig ausleben, sei es beim Jubel über das keimende Wunder oder beim Kampf gegen die gefräßigen Nacktschnecken. „Therapeutisch“, so Gaißmayer, und wenn man ihn so wetterfest und strahlend sieht, muss man ihm glauben. Was das Scheitern angeht, so sollte man sich beim Kauf von Pflanzen besser von Baumärkten und profitorientierten Versandhändlern fernhalten. Oft kämen die Pflanzen von weit her oder seien durch Aussaat vermehrt, also mit großer Variation zwischen den einzelnen Pflanzen, sodass man nie wisse, ob sie dem Standort angepasst seien und welche Eigenschaften sie tatsächlich haben.   

Gaißmayer leidet, wenn er den Verlust des Bezugs zum Garten als eine Abwendung von lebendiger Natur in unserem Lebensumfeld beklagt. Das Bewusstsein von Wachstum, Blüte und Vergehen sei jedoch eine Grundlage für eine humane Gesellschaft.  Es sei eine Generationsaufgabe, die Freude am blühenden Umfeld wieder weiterzugeben. Darum startete Gaißmayer in Illertissen die Kampagne „Entsteint Euch!“, die auf die Missstände aufmerksam machen und mutige Neugärtner, die einen Anfang wagen, tatkräftig unterstützen will. Sein Appell: „Jeden Quadratmeter, der ungenutzt ist, grün werden lassen! Wir haben ein Recht auf Ästhetik und eine ökologische Pflicht!“ Allein am Willen liege es, durch gärtnerische Maßnahmen Zukunft zu schaffen. Auch dafür zeigte er verblüffende Beispiele gelungener Aufwertung von Mauern, Verkehrsinseln und –kreiseln, die gar nicht unbedingt kompliziert oder pflegeaufwendig seien. Gaißmayer strahlt Zuversicht aus. 

Schwäbische Lieblingsstauden

Und damit zurück zu den Stauden. Um sich für Pflanzen zu interessieren, braucht es eine Geschichte zur Pflanze. Und die hat Gaißmayer zu jedem Beispiel seiner Sammlung: Kräuter, die zu Hecken werden und leckerste Blüten haben, Mythen über die Rosen-Lavendel-Allianz und den Anti-Aging-Rosenwurz. Mit lustigen Anekdoten und liebevolle Anspielungen auf die schwäbische Kultur malt der Gärtner den Zuhörern unvergessliche Portraits seiner Lieblinge. Und so lernen wohl auch Alteingesessene und Gartenkenner noch einiges über echte Schwabenpflanzen. Hier weiß Gaißmayer die schwäbische Mundart mit Charme einzusetzen und weist auf hiesige Prinzipien wie Mehrfachnutzen und „nix verkomme lau“ hin, die auch bei seinen Pflanzen gelten: riecht gut- koscht nix; schmeckt guad – is schea. Wie die  Winterheckenzwiebel zum Beispiel, die von Kennern hier als „Schnattre für „Griane Grapfe“ genutzt wird, selbst abgeblüht „schea is“ und die „Hummle ganz euphorisch“ macht. 

Auch die historischen Stauden mit ihren gefüllten Blüten, die hier seit Jahrhunderten liebevoll gezüchtet werden, haben es Gärtner Gaißmayer besonders angetan. Diese seien zwar ökologisch nicht so relevant, da für Insekten schlecht zugänglich, dafür aber als historisches Kulturgut und ästhetische Kunstwerke unbedingt erhaltenswert. Auch hier punktet Gaißmayer beim Publikum mit Geschichten zur Historie der Pflanzen, vom pflückbaren Duftveilchen bis zu regionalen Besonderheiten, wie dem „Supergras Waldenbuch“. 

Zum „Finale“ zeigt Gaißmayer noch Impressionen aus seiner Gärtnerei in Illertissen, samt Arbeitsteam und Laufenten und weist auf die Besonderheit hin, dass hier die Pflanzen selbst, quasi von Hand vermehrt und aufgezogen werden. Unter freiem Himmel aufgewachsen, sind sie bereit für hiesige Bedingungen. Vom Pikieren bis zum Versand, von der Deko bis zu den Großveranstaltungen, alles ist geprägt von Sorgfalt und der Begeisterung für Pflanzen, die zu diesem Zeitpunkt des Vortrages schon längst auf das Publikum übergegriffen hat. 

Ich habe große Lust, nach Illertissen zu fahren und mir die Staudengärtnerei mal anzusehen. Vielleicht organisiert die „BBAufGrün“ eine gemeinsame Ausfahrt mit Fahrgemeinschaften. Morgen gehe ich auf jeden Fall schon mal in den Garten und schaffe Platz für Stauden. 

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Fuchs mal anders

Der Mensch hat seine Umwelt verändert. Die Urwälder Mitteleuropas sind verschwunden und größtenteils durch Ackerland und Siedlungsräume ersetzt. Es sind neue Lebensräume in dieser Kulturlandschaft entstanden, denn die Pflanzen und Tiere passen sich veränderten Bedingungen an (anders als wir, die wir lieber die Umwelt unseren Bedürfnissen anpassen).

Mit der Entwicklung des Menschen ändern sich auch fortwährend die Bedingungen und somit die Flora und Fauna des  Landes. So konnten sich viele Vögel und Insekten hier erst durch die Zurückdrängung des Waldes etablieren, weil sie offene Flächen und blühende Pflanzen brauchen. Die Artenvielfalt hierzulande ist also eigentlich eine Folge der menschlichen Eingriffe in die Natur. Innerhalb dieser ökologischen Systeme besteht ein vielverzweigtes Beziehungsnetz unter den Arten, das relativ stabil bleibt, solange ein Gleichgewicht zwischen den Populationsgrößen besteht. Unter natürlichen Bedingungen halten sich die Populationen innerhalb einer Räuber-Beute-Beziehung gegenseitig aufrecht.

Im Augenblick findet wieder ein Wandel in unserer Kulturlandschaft statt. Dass die intensivierte Landwirtschaft und die zunehmende Besiedlung der Flächen den dramatischen Rückgang der Pflanzenvielfalt, Insekten und Vögel verursacht, scheint ein offensichtlicher kausaler Zusammenhang zu sein. So sind 66% der bodenbrütenden Vögel akut in ihren Beständen gefährdet. Die Feldlerche ist deshalb dieses Jahr als Vertreter der Agrarvögel erneut zum Vogel des Jahres ausgerufen worden: seit 2002 nahmen ihre Bestände um 26% ab, also jedes Jahr 1,5% weniger.

Doch gibt es in diesem landschaftlichen Wandel nicht nur Verlierer. Tiere, die den menschlichen Siedlungsraum nutzen können und Opportunisten bezüglich ihrer Nahrung sind, haben hier einen klaren Vorteil gegenüber Freiland-Spezialisten. Der Fuchs hat durch die  Anpassung an neue Nahrungsquellen wie Abfälle und Katzenfutter von der Entwicklung profitiert. Weiterer Pluspunkt für den Fuchs: als optisch ansprechendes, auffälliges Säugetier wird er vom Menschen leichter wahrgenommen und dank seines Kuscheltierimages geschätzt. Mit der Aussetzung der Jagd auf den Fuchs und der Befreiung von Tollwut durch den massiven Einsatz von Impfködern steht seiner Ausbreitung also nichts mehr im Wege.

Durch diese Maßnahmen greift der Mensch wieder in das Ökosystem ein und hat ein Ungleichgewicht zwischen den Populationen hergestellt. Prinzipiell ist die zunehmende Sensibilisierung der Menschen gegenüber Wildtieren zu begrüßen; wir brauchen den emotionalen Zugang zur Natur, und Mitleid für fühlende Wesen ist eine Voraussetzung für eine humane Gesellschaft.

Aber unsere Wahrnehmung ist nicht fair: der eine ist seit Disneys „Cap und Capper“ sympathisch, der andere unsichtbar, also quasi inexistent. Wenn man sich also strikt gegen die Bejagung des Fuchses stellt, stellt man sich im selben Moment für die Ausrottung der Bodenbrüter.

Man muss sich also entscheiden, was man will: Artenvielfalt oder Artenselektion. Im Sinne des nachhaltigen Naturschutzes, der das ökologische Netz als Entität betrachtet, in die auch wir einbezogen sind, muss man Artenvielfalt schützen. Und da wir als Menschen bereits seit langer Zeit eingreifen und die Bedingungen bestimmen, scheint es nur konsequent, diesen Weg mit einer Regulierung der Fuchspopulation weiterzugehen.

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, bodenbrütende Arten zu unterstützen und zu schützen. Hier ist das Agrarmanagement gefragt. Auch  stimmt es, dass die Jagd allein die Fuchspopulation nicht dauerhaft reduzieren kann. Aber das soll sie ja auch gar nicht. Vielmehr geht es darum, die Fuchsdichte in sensiblen Bereichen, in denen man Feld- und Flurtiere erhalten und fördern möchte, für einen begrenzten Zeitraum zu senken, bis sich die Bestände anderer Zielarten in einem geschützten Raum etabliert haben. Auch der Feldhamster gehört zu diesen Zieltierarten, die so vor dem Prädator Fuchs geschützt werden. Zumindest der hätte ja den Kuschelbonus.


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Blühender Schotter: Die ersten Schlüsselblumen sind da!

Im letzten Jahr hat die Gemeinde Ehningen an einem Wettbewerb des NABU zur „Förderung der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum“ teilgenommen. Mit dem Projekt „Natur nah dran“ sollen öffentliche Grünflächen so gestaltet werden, dass sie Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten. Dazu wurden 50 Kommunen ausgelost, die bei der Umgestaltung von Grünflächen von den NABU-Experten unterstützt werden – sowohl finanziell, als auch mit Rat und Tat.

Auch Ehningen hat sich für das Projekt beworben – und dank der tollen Arbeit unseres Gemeindegärtners den Zuschlag für die Förderung erhalten! Und so wurden im letzten Jahr mit Schaufel und Schotter zahlreiche Flächen in der Gemeinde umgestaltet. Dazu war allerdings zunächst ein Bodenaustausch nötig, denn Wildblumen bevorzugen karge und nährstoffarme Böden. Das ist auch der Grund, warum die Grüninseln entlang der Bühlallee momentan etwas „trist“ und wie kahle Schotterwüsten aussehen. Doch keine Bange: Das bleibt nicht so!

Ich gestehe, ich gehöre zu der eher ungeduldigen Sorte von Menschen und kann es seit dem Besuch der NABU-Gärtner im letzten Jahr kaum noch abwarten, bis hier endlich alles bunt blüht und summt. Deshalb habe ich mich heute auch so über die ersten kleinen Schlüsselblumen gefreut, die ich in den Schotterflächen entdeckt habe:



Noch ganz klein und unscheinbar und auf der großen Fläche kaum zu sehen – aber als tapferer kleiner Frühblüher hat sie als erstes den Kopf aus dem Kies gestreckt.

Für mich bedeuten Schlüsselblumen auch ein Stück Kindheitserinnerung, denn auf den Wiesen und Waldrändern hinter meinem Elternhaus wuchsen damals unzählige Schlüsselblumen. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass sie wirklich wie ein winziger Schlüsselbund klingeln, wenn ihre Blüten im Wind wippen.

Flower Fakts:

  • Schlüsselblumen gehören zur Gattung der Primeln
  • Die Stiftung Naturschutz Hamburg kührte sie zur „Blume des Jahres 2016“
  • Sie ist vor allem bei Hummeln und Faltern beliebt und dient auch mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze
  • Extrakte der Schlüsselblume werden zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt, weil der Wirkstoff der Schlüsselblume das Abhusten erleichtern soll.
  • Die Schlüsselblume gilt regional als gefährdete Pflanzenart und ist durch die deutsche Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt – also bitte nicht pflücken!
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Buchempfehlung: Die Geschichte der Bienen

Ich habe gerade ein tolles Buch gelesen, das mich sehr begeistert hat und das thematisch auch sehr gut zu unserem Blog hier passt. Deshalb wollte ich es euch gerne vorstellen. Das Buch heißt „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde.

In dem wunderschönen Roman „Die Geschichte der Bienen“ bringt die Autorin Maja Lunde dem Leser das Leben und den Zweck der Bienen in drei verschiedenen Geschichten, zu drei verschiedenen Jahrzehnten sowie durch die Erfahrungen und Erlebnisse drei verschiedener Familien näher. Während der Erzählungen springt die Autorin geschickt zwischen der Zukunft im Jahr 2098, der Gegenwart und der Vergangenheit im Jahre 1852 hin und her und zeigt dabei, wie sich die Rolle der Biene und der Natur in den verschiedenen Jahrzehnten verändert.

Mit diesem Buch hat der Leser also die Möglichkeit in drei spannende Welten einzutauchen und dabei auch noch etwas über unsere Natur zu lernen.

Der Roman zeigt, dass Bienen mehr sind als nur Nutztiere und wie weitreichend das Ausmaß eines voranschreitenden Bienensterbens für uns alle wäre. Bienen sind wichtig für die Natur und damit auch für uns Menschen. Dieses Buch adressiert ein sehr aktuelles Thema, das überall stark diskutiert wird und einem jeden einzelnen mittlerweile überall begegnet.

„Die Geschichte der Bienen“ ist ein spannender, unterhaltsamer und lesenswerter Roman mit einer sehr wichtigen Botschaft.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen. 😊

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Ein Stück am Tag!

Beim Einkauf im Edeka Altdorf bin ich heute über zwei beeindruckende junge Männer gestolpert: Fynn und Pit haben die Aktion „Ein Stück am Tag“ im letzten Jahr ins Leben gerufen und engagieren sich jetzt mit Vorträgen an den Grundschulen oder Infoständen wie hier in Altdorf für die Verbreitung ihrer Idee. Die ist so einfach wie genial: Wenn jeder Mensch (1-99) nur ein Stück Müll am Tag aufheben und ordnungsgemäß entsorgen würde, statt es achtlos in der Natur oder auf der Straße liegen zu lassen, würde unsere Erde schon bald sehr viel besser aussehen! 

Eine tolle Idee und eine unheimliche wichtige Botschaft, wie ich finde! Respekt an die beiden Initiatoren! Da mache ich gerne mit! 

Fynn und Pit vor dem Altdorfer Edeka

Wer mehr über das Projekt der beiden Jungs erfahren will, kann sich auf deren Webseite informieren: https://einstueckamtag.jimdo.com

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Füchse in Ehningen

Vor Kurzem stand ich morgens an meinem Küchenfenster, draußen wurde es langsam hell, als plötzlich ein rotbraunes, hundeähnliches Tier mit langem buschigem Schwanz an meinem Haus vorbei durch die Straße rannte. Ein Fuchs! Mitten im Bühl! Was hat der denn hier zu suchen?

Nunja, er war vermutlich auf der Suche nach Futter. Füchse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn jedoch in den Morgenstunden zunehmend die Menschen ihre Häuser verlassen und sich auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule machen, dann wird es dem Fuchs schnell zu ungemütlich bei uns und er verzieht sich zurück in den Wald.

Ein Fuchs im Wohngebiet, kommt das öfter vor?

Um ehrlich zu sein, ich wohne jetzt seit fünf Jahren hier, und es war der erste Fuchs denn ich gesehen habe. Gerade im Januar und Februar ist die Chance jedoch größer, auch tagsüber mal einen Fuchs zu Gesicht zu bekommen. Dann nämlich beginnt die sogenannte „Ranzzeit“ bei den Füchsen und die Tiere begeben sich auf Partnersuche.

Im übrigen ist der Fuchs ein sogenannter „Kulturfolger“, d.h. er profitiert vom Zusammenleben mit dem Menschen. In den Städten findet er leichter Nahrung wie Ratten, Mäuse, Tauben, oder auch Abfälle des Menschen. Außerdem sind die Temperaturen in der Stadt meist angenehmer für den wärmeliebenden Fuchs. Zum Teil sind die Lebensbedingungen für Füchse in Städten oft sogar besser als im Wald oder in landwirtschaftlichen Regionen. 

Können Füchse für den Menschen gefährlich werden?

Füchse sind nicht aggressiv und im Gegenteil sogar sehr scheu. Sie versuchen Begegnungen mit Menschen nach Möglichkeit zu vermeiden. Wenn sich Fuchs und Mensch doch einmal über den Weg laufen sollten, wird der Fuchs in aller Regel die Flucht ergreifen. Für den Menschen besteht also keine Gefahr – egal ob große oder kleine Menschen. 🙂

Auch die Gefahr sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren gilt als gering. Einfaches Händewaschen etwa nach einem Spaziergang oder der Gartenarbeit ist zum Schutz vollkommen ausreichend. Auch für ein erhöhtes Infektionsrisiko durch das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen aus dem Wald gibt es bislang keinen Beweis – auch wenn deswegen lange Zeit vor dem Verzehr von z.B. Walderdbeeren gewarnt wurde. Es empfiehlt sich jedoch, selbst gesammelte Früchte vor dem Verzehr auf jeden Fall gründlich zu waschen. 

Ein etwas höheres Risiko einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm besteht ggf. für Hunde und Katzen, da diese häufiger mit z.B. befallenen Pflanzen und infizierten Nagetieren wie Mäusen – sogenannten Zwischenwirten – in Kontakt kommen. Deshalb ist bei unseren vierbeinigen Lieblingen eine regelmäßige Entwurmungskur durchaus angebracht. 

Vor der Tollwut muss man erst recht keine Angst haben: Deutschland gilt bereits seit 2008 offiziell als tollwutfrei!

Foto: pixabay.com

Der Fuchs in der Ehninger Krebsbachaue

Ein Problem gibt es mit dem Fuchs dann aber leider doch: Die Krebsbachaue – ein viereinhalb Hektar großes Naturschutzgebiet zwischen Ehningen und Gärtringen – ist eines der wenigen Refugien für die vom Aussterben stark bedrohten Kiebitze. Diese Vogelart gehört zu den Bodenbrütern und baut ihre Nester in Ackerfurchen. Mit der Hilfe von engagierten Tierschützern konnte der Kiebitz auch in der Krebsbachaue wieder angesiedelt werden. Doch leider wurde im letzten Jahr ein paar mal ein Fuchs dort gesichtet, der einige der Eier stibitzt und wohl auch das eine oder andere Alttier erwischt hat. In der Folge sind im letzten Jahr deutlich weniger Jungtiere geschlüpft.

Das Gelände ist eigentlich durch einen Elektrozaun gesichert, dennoch ist es dem schlauen Fuchs (der seinen Namen ja nicht umsonst trägt) wohl gelungen, irgendwo einen Durchschlupf zu finden. In der kommenden Saison sollen die Kontrollen rund um die Krebsbachaue deshalb nochmal verstärkt werden.

Sind Füchse eigentlich bedroht?

Das zum Glück nicht. Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit ist der Bestand der Rotfüchse seit Jahren konstant. Leider ist es in Deutschland bisher immer noch erlaubt, den Fuchs zu bejagen – angeblich um seine Population in Schach zu halten oder bedrohte Tierarten wie den Feldhasen oder den bereits erwähnten Kiebitz zu schützen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass der invasive Eingriff durch die Jagd weder sinnvoll noch notwendig ist, denn Füchse gleichen größere Verluste durch Jagd, Krankheiten oder witterungsbedingte Ausfälle instinktiv mit einer höheren Geburtenrate wieder aus. 

Weder ist der Fuchs selbst bedroht, noch stellt er eine artgefährdende Bedrohung für andere Tiere dar. Und von einer Überpopulation oder gar einer Plage kann erst recht nicht die Rede sein. Probleme wie die in der Krebsbauchaue sind Einzelfälle, die man nur individuell lösen kann – nicht indem man einer ganzen Art mit dem Gewehr zu Leibe rückt.

Ich jedenfalls habe mich über den buschigen kleinen Besucher vor meinem Fenster sehr gefreut und hoffe, dass es nicht die letzte Begegnung dieser Art war.

Wer mehr erfahren möchte: 
https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/unser-tipp-im-januar-der-fuchs/
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotfuchs

Anmerkung: Da man das Thema Jagd durchaus kontrovers betrachten kann, haben wir noch einen weiteren Beitrag veröffentlicht, der die Problematik von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet: Fuchs mal anders.

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