Alle Beiträge · Mit Federn, Fell und Fühlern

Fuchs mal anders

Der Mensch hat seine Umwelt verändert. Die Urwälder Mitteleuropas sind verschwunden und größtenteils durch Ackerland und Siedlungsräume ersetzt. Es sind neue Lebensräume in dieser Kulturlandschaft entstanden, denn die Pflanzen und Tiere passen sich veränderten Bedingungen an (anders als wir, die wir lieber die Umwelt unseren Bedürfnissen anpassen).

Mit der Entwicklung des Menschen ändern sich auch fortwährend die Bedingungen und somit die Flora und Fauna des  Landes. So konnten sich viele Vögel und Insekten hier erst durch die Zurückdrängung des Waldes etablieren, weil sie offene Flächen und blühende Pflanzen brauchen. Die Artenvielfalt hierzulande ist also eigentlich eine Folge der menschlichen Eingriffe in die Natur. Innerhalb dieser ökologischen Systeme besteht ein vielverzweigtes Beziehungsnetz unter den Arten, das relativ stabil bleibt, solange ein Gleichgewicht zwischen den Populationsgrößen besteht. Unter natürlichen Bedingungen halten sich die Populationen innerhalb einer Räuber-Beute-Beziehung gegenseitig aufrecht.

Im Augenblick findet wieder ein Wandel in unserer Kulturlandschaft statt. Dass die intensivierte Landwirtschaft und die zunehmende Besiedlung der Flächen den dramatischen Rückgang der Pflanzenvielfalt, Insekten und Vögel verursacht, scheint ein offensichtlicher kausaler Zusammenhang zu sein. So sind 66% der bodenbrütenden Vögel akut in ihren Beständen gefährdet. Die Feldlerche ist deshalb dieses Jahr als Vertreter der Agrarvögel erneut zum Vogel des Jahres ausgerufen worden: seit 2002 nahmen ihre Bestände um 26% ab, also jedes Jahr 1,5% weniger.

Doch gibt es in diesem landschaftlichen Wandel nicht nur Verlierer. Tiere, die den menschlichen Siedlungsraum nutzen können und Opportunisten bezüglich ihrer Nahrung sind, haben hier einen klaren Vorteil gegenüber Freiland-Spezialisten. Der Fuchs hat durch die  Anpassung an neue Nahrungsquellen wie Abfälle und Katzenfutter von der Entwicklung profitiert. Weiterer Pluspunkt für den Fuchs: als optisch ansprechendes, auffälliges Säugetier wird er vom Menschen leichter wahrgenommen und dank seines Kuscheltierimages geschätzt. Mit der Aussetzung der Jagd auf den Fuchs und der Befreiung von Tollwut durch den massiven Einsatz von Impfködern steht seiner Ausbreitung also nichts mehr im Wege.

Durch diese Maßnahmen greift der Mensch wieder in das Ökosystem ein und hat ein Ungleichgewicht zwischen den Populationen hergestellt. Prinzipiell ist die zunehmende Sensibilisierung der Menschen gegenüber Wildtieren zu begrüßen; wir brauchen den emotionalen Zugang zur Natur, und Mitleid für fühlende Wesen ist eine Voraussetzung für eine humane Gesellschaft.

Aber unsere Wahrnehmung ist nicht fair: der eine ist seit Disneys „Cap und Capper“ sympathisch, der andere unsichtbar, also quasi inexistent. Wenn man sich also strikt gegen die Bejagung des Fuchses stellt, stellt man sich im selben Moment für die Ausrottung der Bodenbrüter.

Man muss sich also entscheiden, was man will: Artenvielfalt oder Artenselektion. Im Sinne des nachhaltigen Naturschutzes, der das ökologische Netz als Entität betrachtet, in die auch wir einbezogen sind, muss man Artenvielfalt schützen. Und da wir als Menschen bereits seit langer Zeit eingreifen und die Bedingungen bestimmen, scheint es nur konsequent, diesen Weg mit einer Regulierung der Fuchspopulation weiterzugehen.

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, bodenbrütende Arten zu unterstützen und zu schützen. Hier ist das Agrarmanagement gefragt. Auch  stimmt es, dass die Jagd allein die Fuchspopulation nicht dauerhaft reduzieren kann. Aber das soll sie ja auch gar nicht. Vielmehr geht es darum, die Fuchsdichte in sensiblen Bereichen, in denen man Feld- und Flurtiere erhalten und fördern möchte, für einen begrenzten Zeitraum zu senken, bis sich die Bestände anderer Zielarten in einem geschützten Raum etabliert haben. Auch der Feldhamster gehört zu diesen Zieltierarten, die so vor dem Prädator Fuchs geschützt werden. Zumindest der hätte ja den Kuschelbonus.


Ein Kommentar zu „Fuchs mal anders

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert