Seit längerem beschäftige ich mich schon mit dem Thema Plastikreduzierung und -vermeidung in meinem Alltag. Man liest immer mehr dazu im Internet und hört auch immer mehr in den Nachrichten. Plastik ist zum Feind Nummer Eins der Neuzeit geworden. Ein Feind, den wir jedoch selbst geschaffen haben und auch tagtäglich weiterhin unterstützen und das, obwohl wir wissen wie schädlich er doch für uns, unsere Umwelt und vor allem auch für die nachfolgenden Generationen ist.
Lesetipp: Der BUND Plastikatlas
Bei meiner Recherche bin ich auf den sehr informativen und kostenfreien Plastikatlas 2019 gestoßen. Dieser kann im Internet einfach heruntergeladen werden. Der Plastikatlas wurde in Kooperation von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt.
Recycling-Weltmeister Deutschland? Von wegen!
Der Plastikatlas informiert zu Beginn darüber, dass zwischen 1950 – 2015 weltweit mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik produziert wurden, wovon später nicht einmal 10% recycelt wurden. Ich hatte bisher angenommen, dass in Deutschland sehr viel mehr des verbrauchten oder hergestellten Plastik recycelt wird, aber eine Studie zeigt, dass auch in Deutschland im Jahr 2017 lediglich 15,6% Plastik recycelt wurden. Weltweit auch nur knappe 14%. Und wer hätte das gedacht… die USA und Asien werden immer und überall als die Bösen dargestellt, aber der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll ist Deutschland! (S.6-9, 36) Bis zum Jahr 2018 wurden große Mengen des Plastikmülls nach China exportiert. Jedoch beschlossen einige asiatische Länder, wie auch China, keinen Plastikmüll mehr zu importieren, da sie es nicht mehr schaffen, die riesigen Mengen an Plastikmüll zu bewältigen. Ausgewichen wurde dann auf weitere südostasiatische Länder, aber auch diese sind mit ihren Kapazitäten bereits am Ende. (S. 38-39)
Plastik: Zum Wegwerfen produziert
Plastik begegnet uns heutzutage überall, ob in unserer Kleidung, in Putzmitteln, Kosmetikartikeln, Handys, so gut wie überall im Supermarkt… die Liste könnte ich ins Unendliche weiterführen. Das schlimme daran ist, dass die meisten Plastikartikel keine lange Nutzungsdauer haben, aber dafür eine umso längere Lebensdauer. Die Vorteile des Plastiks sind auch gleichzeitig seine Nachteile. Es ist sehr lange haltbar, flexibel und recycelbar und aus diesen Gründen sehr langlebig. Im Plastikatlas wird hier von „Fluch und Segen zugleich“ gesprochen. (S. 14) Plastik dient hauptsächlich der Herstellung von Einwegartikeln und Verpackungen. Die meisten Plastikprodukte landen bereits kurz nach dem Einkauf direkt im Müll. Schätzungen zufolge werden 40% der Plastikprodukte nach weniger als einem Monat weggeworfen. (S. 12-15) Allein im letzten Jahr wurden für Lebensmittel mehr als 1,13 Billionen Verpackungen verbraucht. (S. 20)
Gift für unsere Böden und Gewässer
Jedoch stellt nicht nur die stark diskutierte Entsorgung des Plastiks ein großes Problem dar, denn bereits bei der Herstellung gelangen giftige Substanzen in unsere Umwelt. Gleiches passiert auch beim Recycling von Plastikmüll, wenn dieser giftige Schadstoffe enthält. (S.16-17)
Pro Jahr werden weltweit mehr als 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Es wird angenommen, dass ca. ein Drittel davon in Form von Mikroplastik in unseren Böden und Gewässern landet. (S. 21) Erschreckenderweise kommt hier noch hinzu, dass etwa 10 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr in unsere Meere gelangen. Hierbei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Europa nach China zum zweitgrößten Plastikproduzenten der Welt gehört. (S. 28-29)
Weniger ist mehr – Tipps zur Plastikvermeidung
Oft wird das Plastikproblem jedoch als reines Müll- und Entsorgungsproblem dargestellt. Es müsste jedoch erst gar nicht so viel produziert werden, wenn die Nachfrage nicht so hoch wäre. Es wird bereits diskutiert, Einwegprodukte zu verbieten. Das ist schon mal ein sehr wichtiger Schritt. In erster Linie kann also die gigantische Flut an Müll gestoppt und vermieden werden, wenn dieser erst gar nicht produziert werden würde.
Wie kann ich nun als kleiner Konsument dazu beitragen, dass nicht mehr so viel Plastikmüll produziert wird? Hierzu habe ich mir Gedanken gemacht und möchte diese Tipps gerne mit euch teilen. Wenn ihr auch noch Ideen habt, an welchen Stellen und wie Plastik in eurem Alltag eingespart werden kann, lasst uns doch bitte einfach einen Kommentar dar oder schreibt uns eine Email dazu. 😊
Im Supermarkt
- Bei Edeka in Ehningen können Fleisch und Aufschnitt von der Frischetheke in selbst mitgebrachten Dosen verpackt werden.
- Gemüse und Obst müssen nicht mehr in Hunderten von Plastiktüten nach Hause transportiert werden, sondern können in schönen, waschbaren und wiederverwendbaren Netzen und Beuteln verstaut werden.
- Viele Lebensmittel wie Milch, Eier, Obst und Gemüse können auch einfach direkt beim Erzeuger (z.B. bei einem der vielen Höfe in Ehningen) erworben werden. Es hilft aber auch schon, bspw. den O-Saft in einer Glas- statt Plastikflasche zu kaufen
- Lieber mehr Leitungswasser trinken als Wasser aus Plastikflaschen. Wenn man gerne Wasser mit Kohlensäure trinkt, ist ein Sodastream empfehlenswert.
In der Küche
- Vorräte und Reste lassen sich praktisch und einfach in Einmachgläsern lagern. Es sind nicht immer Frischhaltefolie und Alufolie erforderlich.
- Lieber Holzbretter statt Plastikbrettchen benutzen. Natürlich müssen bereits erworbene Plastikbretter nicht direkt entsorgt werden.
- Einweggeschirr beim Picknicken oder der Geburtstagsfeier vermeiden und auf wiederverwendbare Artikel setzen.
Im Bad
- Lieber waschbare Kosmetikpads oder Waschlappen verwenden als Wattepads aus Baumwolle, die nach einmaliger Nutzung direkt weggeworfen werden.
- Wattestäbchen gibt es auch mit Papierschaft.
- Viele Pflegeprodukte können oft einfach selbst hergestellt werden. Wem das aber zu aufwändig ist (mir persönlich auch), greift einfach zu größeren Packungen anstatt viele kleine zu kaufen. Auch so wird bereits Plastikmüll reduziert.
- Seife ist wieder hip! Mittlerweile gibt es nicht nur tolle Seifen für die Handwäsche, sondern auch Duschgel, Shampoo und Badezusätze in Seifenform (z.B. beim DM in Gärtringen). Diese sind sehr ergiebig, brauchen deutlich weniger Verpackung als ihre flüssigen Verwandten und helfen obendrein auch noch den Wasserverbrauch zu reduzieren.