Am Samstag, dem 7.11.2019 war NABU-Artenschutzbeauftragte Sarah Adelmann für Wespen und Hummeln in Ehningen zu Gast in den Gässlestuben. Rund 30 Besucher konnten bei ihrem spannenden Vortrag mit tollen Bildern eine Menge über die kleinen Brummer erfahren.
Für alle, die den Vortrag verpasst haben, hier eine kleine Zusammenfassung des Inhalts:
Hummeln sind als Bestäuber viel wichtiger als man denkt, obwohl sie etwas schwerfälliger und gemütlicher als die flinken kleinen Bienchen erscheinen (Hummeln sind ja eigentlich auch Wildbienen im weiteren Sinn). Durch ihre kräftige Statur und ihren dicken Pelz sind sie schon viel früher im Jahr aktiv, wenn es den anderen Bienen noch zu kalt zum Fliegen ist. Auch ist der Arbeitstag einer Hummel viel länger als der der Bienen, denn sie fliegen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Einige unserer Nutzpflanzen, wie die Tomaten, werden fast ausschließlich von Hummeln bestäubt; und viele Obst- und Gemüsearten bringen durch die besondere Vibrationsbestäubung der Hummeln mehr und größere Früchte hervor.
Diesen Umstand nutzen viele Landwirte und kaufen gezüchtete Hummelvölker, um ihre Pflanzen zu bestäuben. Allerdings bringen diese, aus Massenzuchtanlagen stammenden Tiere oft Infektionen und Parasiten mit, die sie an wildlebende Artgenossen weitergeben und so natürliche Bestände gefährden.
Besonders reizvoll hat Sarah Adelmann den Lebenszyklus der Hummeln vorgestellt:
Die Hummelkönigin, die als einzige den Winter in einem Erdloch überlebt, begibt sich ab Februar auf die Suche nach einem Nest für ihr zukünftiges Volk. Das kann ein Mauseloch oder eine ähnliche Höhle sein. Die Hummelkönigin ist schon im letzten Jahr begattet worden und muss sich beeilen: Brutwaben für die ersten Eier bauen, und mit viel Nektar ausstatten und wie ein Huhn die Eiwaben bebrüten, damit bald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen und ihr bei der Arbeit helfen können. Dann kann sie sich ganz auf das Brutgeschäft konzentrieren und einen ganzen Hummelstaat gebären. Im Sommer schlüpfen dann auch Hummelköniginnen und Männchen, die zum Hochzeitsflug ausfliegen. Im Herbst sterben alle Hummeln außer den neuen Königinnen, die sich zur Winterruhe wieder in die Erde eingraben.
Das Überleben der Hummeln ist also besonders im Frühjahr, wenn die ganze Arterhaltung nur an der Königin hängt, ziemlich großen Risiken und Gefahren ausgesetzt. Nur die Hälfte der Hummelköniginnen überlebt den Winter, und von den Überlebenden schafft es auch nur ein Teil, ein neues Volk zu gründen. Als wäre ein normales Hummelleben nicht schon problematisch genug, haben sie in letzter Zeit aber noch mit weiteren Gefahren zu kämpfen: durch intensive Flächennutzung der Menschen und versteinerte Gärten werden Futterpflanzen immer weniger. Auch verlassene Mäuselöcher, Hohlräume in Steinmauern oder wilde Gartenecken werden in aufgeräumten Gärten immer seltener – Wohnungsnot für Hummelköniginnen! Pestizide in Landwirtschaft und Privatgärten tun das Übrige um die Hummeln weiter in ihrem Überleben zu gefährden, denn auch wer sie mit Ameisengift und Insektensprays nicht im Visier hat, tötet sie trotzdem mit. So sind mittlerweile über die Hälfte der 29 in Baden-Württemberg lebenden Hummelarten bedroht, ein Viertel sogar stark gefährdet.
Die häufigsten Hummelarten, die uns im Garten begegnen, hat Sarah Adelmann kurz vorgestellt. Obwohl sie wie die anderen Bienenarten stechen können, sind die meisten Hummelarten sehr friedfertig.
Für alle, die die Hummeln unterstützen möchten, hat Sarah Adelmann wertvolle Tipps: heimische Futterpflanzen im Garten, die von Februar bis September Blüten bieten und ein wenig „wilde Natur“ im Garten zulassen, damit sich Nistmöglichkeiten ergeben. Natürlich verbietet sich für Hummelfreunde der Einsatz von Giften im Garten. Auch Nistkästen können für Hummeln aufgestellt werden. Wichtig hierbei ist die Bauform, die mit einem kleinen Einstiegsloch einem Mäusebau ähnelt und eine Schutzklappe gegen Mottenbefall hat. Diese lernen die cleveren Hummeln zu öffnen, Motten bleiben draußen.
Wer einen solchen Kasten haben oder mehr über Hummeln erfahren möchte, findet Infos auf der Internetseite www.NABU-suedbaden.de/hummeln.
