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Natur nah dran in Ehningen: ein Rundgang mit den Gemeindegärtnern

Besonders in Baden-Württemberg sind die Flächenversiegelung und der Rückgang natürlicher Lebensräume in Siedlungsnähe mit dem Verlust von Artenvielfalt verbunden. Städten und Gemeinden, die diesem Trend entgegenwirken wollen, bietet das Förderprojekt „Natur nah dran“ des NABU und des Landes Baden-Württemberg die Möglichkeit, vorhandene Grünflächen zu neuen Lebensräumen umzugestalten.  Ziel ist, anhaltend blühende Flächen für viele Jahre zu erschaffen, die bei geringem Pflegeaufwand Lebensraum für Insekten bieten und Natur im Siedlungsraum erlebbar machen. Dabei geht die Neugestaltung der Flächen weit über die Ansaat von konventionellen Blühmischungen hinaus. Besonders geschulte Fachkräfte des NABU erarbeiten für jeden Standort ein eigenes, nachhaltiges Konzept mit heimischen Pflanzen. Auch bei der Umsetzung erhalten die Gemeinden fachliche Hilfe, Gemeindegärtner und Bürgerbeteiligungen werden bei der Bodenvorbereitung, Pflegemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit beraten und unterstützt. Finanziell beteiligt sich das Land mit einer Förderung von bis zu 15.000 Euro an den Maßnahmen einer Kommune.

In Ehningen ist diese Idee auf fruchtbaren Boden gefallen, denn Gemeindegärtner Rüdiger Seifert beschäftigt sich schon länger mit nachhaltiger Gestaltung kommunaler Grünflächen. Mit großem Engagement ist es dem Gärtnerteam des Ehninger Bauhofs gelungen, das gesamte Konzept für die fünf „Natur nah dran“-Projekte selbst zu erstellen und nach Abnahme durch ein Expertenteam auch in Eigenregie umzusetzen. Die hochaktive Bürgerbeteiligungsgruppe „Aufenthaltsqualität und Grünflächen“ hat das Projekt durch ihre Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich unterstützt.

Bei der Auftaktveranstaltung im Mai kamen Gemeindegärtner aus ganz Baden-Württemberg nach Ehningen, um die Projektflächen anzusehen. Reinhard Witt und Ernst Rieger, namhafte Experten für naturnahe Grünflächengestaltung bestätigten das erfolgreiche Aufgehen der Maßnahmen, immer mit dem Hinweis, dass naturnahes Gärtnern vor allem Zeit und Geduld brauche, um zur vollständigen und langanhaltenden Blühpracht zu gelangen. Ältere „Natur nah dran“- Projekte, wie in Ludwigsburg bezeugen das.

Bei all dem Lob ist es umso unverständlicher, dass die Gemeindeverwaltung vor kurzem die „Natur nah dran“-Projektflächen vor dem Ehninger Rathaus ohne Ankündigung oder Absprache mit den Projektleitern ausbaggern und mit konventionellen kurzlebigen Saisonblumen bestücken ließ. Der NABU bedauert dieses Vorgehen zutiefst und fordert umgehend die Erschaffung von gleichwertigen Ersatzflächen für diesen Verlust. „Gerade auf diesen repräsentativen Flächen hätten wir uns ein eindeutiges Bekenntnis der Gemeinde zu ihrer Zustimmung  zum Projekt „Natur nah dran“ erhofft“, so Martin Klatt, Projektleiter des NABU Baden-Württemberg. Der Erfolg des Gesamtprojekts wird durch diese Aktion jedoch nicht in Frage gestellt.

Hier wird klar, dass es immer noch viel Mut und langen Atem braucht, um neue Konzepte gegen althergebrachte Vorstellungen von repräsentativer, ordentlicher Standardbegrünung  durchzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass das Bekenntnis zu mehr Lebendigkeit im Ort kein halbherziges Zugeständnis an die Zeichen der Zeit bleibt. Gern wird hervorgehoben, dass Ehningen von vielen Gemeinden beneidet würde. Die weitreichende Anerkennung der Arbeit seiner Gemeindegärtner und seiner Bürgerbeteiligung sollte dabei nicht ignoriert werden. 

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